Astrologie - Möglichkeiten & Grenzen

Autorin: Dagmar Artmaier, Astrologin

Astrologie - Möglichkeiten & Grenzen

Astrologie als Modell zur Lebensorientierung

Die Astrologie entstand etwa 3000 v. Chr in Sumer. Aufgabe der astrologischen Priester war es, den Himmel zu entschlüsseln und die Bande zu finden, die das Himmlische mit dem Irdischen verbinden. Astrologie ist das erste "Modell einer Organisation der Erkenntnis" (vgl. Solange de Mailly-Nesle). Sie entwickelte sich zu einem komplexen Modell zum besseren Selbst- und Fremdverständnis, welches mit den archetypischen Bildern des Tierkreises arbeitet.

Das Horoskop ist eine Art Landkarte, mit der man sich im Leben orientieren kann. Die Landschaft selbst muss ich mir jedoch erschließen, indem ich sie durchwandere.

Ein anderes Bild ist der Farbkasten: Ich habe eine ganze Palette an Farben als kosmische Anlage mitbekommen. Damit kann ich mein Bild malen - ich muss aber nicht.

Ein Horoskop kann auch als "Drehbuch des Lebens" (vgl. H. Banzhaf) gesehen werden. Darin finden sich die Schauspieler (Planeten) in den verschiedenen Bühnenbildern (Häusern) im Kontakt miteinander (Aspekte) und spielen ihr Bühnenstück des Lebens (Horoskop) - Lustspiel oder Tragödie...

Astrologie und Naturwissenschaft sind zwei komplementäre Wege der Erkenntnis. Die Astrologie kann dem modernen Menschen, der ein Gefangener einer naturwissenschaftlichen und technologischen Welt ist, einen Zugang zum Tempel seines Inneren bieten (vgl. Solange Mailly-Nesle).

Woher kommt der Anstrich von Unseriosität, der ihr oft anhaftet? Früher vermied ich bei manchen Anlässen, mich als Astrologin zu "outen". Ich umschiffte den Begriff mit Lebensberaterin, Seminarleiterin und fühlte mich dabei nicht ganz ehrlich. Jetzt bin ich offener, weil ich meinen Beruf der psychologisch-astrologischen Beraterin klar abgrenze gegen andere Bereiche der Esoterikszene. Woher also der schlechte Ruf? Zum einen durch die undifferenzierten und falschen Zeitungshoroskope, zum anderen durch selbsternannte Hobby-Astrologen ohne fundierte Ausbildung und natürlich auch durch Vorurteile aufgrund mangelnder Kenntnis der astrologischen Prinzipien.

Das Prinzip der Synchronizität

Die Astrologie arbeitet mit einem Denken in Entsprechungen, mit dem "senkrechten Weltbild" (vgl. T. Dethlefson: "Das Schicksal als Chance"). Lassen Sie mich zur Erklärung ein Beispiel aus dem Alltag benutzen: Ich streite mit einem Freund und im gleichen Moment fällt ein Bild, das ein Liebespaar in Umarmung zeigt, von der Wand und zerbricht. Es gibt zwischen diesen beiden Begebenheiten keinen logischen, kausalen Zusammenhang. Das Eine (Streit) ist jedoch symbolisch (Zerbrechen des Bildes) mit dem Anderen verbunden.

In unserer rational geprägten Zeit nennt man so etwas Zufall. Ich nenne es Synchronizität. In dieser Form kann man sich astrologische Entsprechungsketten vorstellen, z.B. Tierkreiszeichen Steinbock: Fels, anthrazit., hart, Kaktus, Wüste, Disziplin, Polizei, Uniform, Asket, Knochen etc.

Tierkreiszeichen Krebs: See, Quelle, Perle, Kind, Silber, Seele, Inhalt, Brust etc.

Diese Art zu denken ist in unserem Kulturkreis zwar eher ungewohnt und unüblich, aber sehr reichhaltig und aussagekräftig.

Was kann die Astrologie leisten?

Die Astrologie ist ein hervorragendes Handwerkszeug, um den Menschen als Ganzes besser zu verstehen, seine Stärken und Schwächen, seine psychische und physische Gestimmtheit zu erkennen und ihm Entscheidungshilfen und Unterstützung anzubieten. In Kombination mit Psychologie ist sie ein funktionierendes Instrument im Umgang mit menschlichen Problemen und Krisen. Sie leistet gute Dienste z. B. bei der Bewältigung von schwierigen Kindheitserlebnissen. Schneller als ein Psychologe, der auf die Ausführungen des Klienten angewiesen ist, kann sich der Astrologe mit Hilfe des Geburtshoroskopes ein Bild der Gesamtpersönlichkeit machen und z.B. sehen, auf welche Art von Therapie der Klient gut anspricht. Sehr hilfreich ist sie auch bei Themen wie Schul- oder Berufswahl, Partnerschaftsangelegenheiten und Problemen am Arbeitsplatz.

Die Astrologie zeigt größere Zusammenhänge auf. Dieses Wissen fördert das Verständnis und die Akzeptanz der Gezeiten des Lebens, der natürlichen Rhythmen, erhellt eigene blinde Flecken und offenbart Ressourcen, nach meinem Motto "Hebe Deinen Schatz". Sie zeigt auf, wo und wann ein guter Wind weht für Vorhaben. Ob ich auf das Surfbrett steige und die Welle nutze, ist meine Entscheidung. Im besten Fall fördert sie Bewusstheit, Toleranz, und Objektivität im Umgang mit mir und anderen.

Grenzen der Astrologie

Unsichere, unselbständige Klienten wünschen sich vom Astrologen, dass er ihnen sagt, wo es lang geht. Solche Entscheidungen darf ein guter Berater ihnen nicht abnehmen. Er wird dem Klienten Tendenzen, Möglichkeiten aufzeigen und ihm helfen, sich selbst zu vertrauen und zu entscheiden.

Ich arbeite neben dem Radixhoroskop ausschließlich mit den großen Rhythmen, den astrologischen Jahresthemen und halte nichts davon, wenn jeder Schritt, jede Handlung astrologisch geprüft werden soll. Eine solche Vorgehensweise (Lebensangst astrologisch untermauern) erscheint mir sinnlos und unterstützt die Abhängigkeit des Klienten, wo doch gerade mehr Eigenverantwortung durch Selbstverständnis erreicht werden sollte.

Die Astrologie legt eine allgemeine Ordnung fest, innerhalb derer eine große Freiheit besteht.

Mein Lehrer Klaus Riemann sagte dazu:

"Die Sterne machen geneigt, sie zwingen nicht."