Zauberwort Schlanksein

Autorin: Doris Schmalhofer, Praxis für Psychotherapie (HPG),
medizinisch geprüfte Ernährungsberaterin

Zauberwort "Schlanksein"?

Laut Schätzungen zufolge leidet jede zehnte Frau an einer schweren Ess-Störung - Tendenz steigend. Zunehmend sind auch Männer betroffen. Ess-Störungen treten in jungen Jahren immer häufiger auf, das Eintrittsalter sinkt kontinuierlich. Amerikanische Psychologen fanden jetzt zu alledem eine neue Risikogruppe heraus: Frauen ab 30. Frauen in der Lebensmitte, die verzweifelt versuchen, in einer jugendfixierten Welt jung auszusehen. Wenn schon älter, dann wenigstens schlank. Es wird versucht, das vermeintliche Traumziel einer "jungen Figur" mit Hungern (Anorexia nervosa) oder Erbrechen nach dem Essen (Bulimie) zu erreichen - oft bis an den Rand der Selbstzerstörung. Viele Betroffene schämen sich für ihr Verhalten, verheimlichen es und fühlen sich schuldig. Selbst engste Angehörige merken oftmals nichts von ihrem Leid.

Anti-Aging heisst das Ziel, oder "Forever Young", d.h. fit, schlank, gesund, in bester Kondition. Das €lterwerden ist wenig attraktiv, im Gegenteil, es scheint nichts im Leben mit soviel Ablehnung und €ngsten verbunden zu sein. Aber ist denn tatsächlich nur die Frau schön, die jünger aussieht als sie ist? Aufgrund übertriebener Schönheitsideale fühlen sich zwei von drei Frauen zu dick. Das Geschäft mit Diäten ist ein Millionengeschäft!

Eine andere Hypothese, warum Frauen, die ihre Pubertät und Entwicklung zur Frau schon hinter sich haben, mit einer Ess-Störung reagieren ist, dass Wechseljahre eine ähnliche Dynamik im seelischen und körperlichen Erleben einer Frau auslösen wie die pubertäre Entwicklung. Die Hormone stellen sich um, der Körper wandelt sich, es beginnt ein neuer Lebensabschitt, der oftmals belastet ist durch den Auszug der Kinder, Beziehungsschwierigkeiten, dem Tod der Eltern oder der Angst vor der Veränderung des Körpers. Je schwieriger dieser Wandlungsprozess ist, desto eher besteht die Gefahr einer Ess-Störung. Besonders gefährdet sind die Personen, die als Jugendliche schon damit zu tun hatten.

Viele Betroffene befinden sich in einem Teufelskreis, dem sie sich hilflos ausgeliefert fühlen und den sie oft aus eigener Kraft nicht mehr durchbrechen können.

  • Das Essen, bzw. das Nichtessen wird zum alltäglichen Kampf.
  • Es wurden schon verschiedenste Diäten ausprobiert.
  • Die Lösung aller Probleme wird in einer "schlanken Figur" gesehen.
  • Es gibt "erlaubte" und "unerlaubte" Lebensmittel.
  • Es werden Abführ- und/oder Entwässe-rungsmittel benutzt.
  • Es wird exzessiv Sport betrieben.
  • Es findet ein ewiger Kreislauf von Diät, Heisshunger oder Fressanfällen statt.

Um die Lebens- und Erlebensqualität deutlich zu verbessern und damit dem destruktiven Muster "Ess-Störung" zu entkommen, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten der Unterstützung. So können z.B. im Einzelgespräch oder in einer Gruppe individuelle Problemlagen aufgedeckt, frühere Erlebnisse durchgearbeitet und neue Schritte erprobt werden. Körperorientierte Verfahren, kreative Therapien und Ausdrucksarbeit helfen Klarheit zu gewinnen um eine Neuorientierung zu erreichen. Diese Therapien unterstützen die Heilung, verhelfen unbewussten Prozessen zum Ausdruck, erzeugen kreative Impulse und entwickeln ein neues Körpergefühl. Ziel ist es unter anderem Selbstvertrauen zu wagen, den eigenen Körper wieder zu spüren und die eigene Schönheit zu entdecken.

Folgende Themen bieten sich an, um in Einzelgesprächen oder auch in einer Gruppe bearbeitet zu werden:

  • die Bedeutung des Essens und der persönliche Umgang damit; in welchen Situationen werden Hungern und Essen zum "Problemlöser"?
  • Diäten oder wie schlank muss ich sein, um mich zu mögen?
  • Wonach hungert der Körper und was braucht die Seele als Nahrung?
  • Welche Gefühle und Bedürfnisse suchen in der Ess-Störung ihren Ausdruck?
  • Beruf, Beziehungen, Partnerschaft - wie will ich leben als Frau? Welche (vielleicht noch unentdeckten) Potentiale und Möglichkeiten habe ich?
  • Frauenrollen - Frauenbilder - Selbstbilder
  • Familienbeziehungen, Familienrituale, Bindung und Ablösung
  • weibliche Körperlichkeit, Körper- und Sinneswahrnehmung, wie lebe ich mit und in meinem Körper, wie kann ich ihm Gutes tun?
  • Wie können Körper und Seele in Balance kommen?
  • Wie sieht eine gesundheitsbewusste und genussvolle Ernährung für mich persönlich aus?
  • gemeinsames Entwickeln neuer Konflikt- und Lösungsstrategien für schwierige Alltagssituationen.

Wichtig für alle Betroffenen ist es, den Mut zu haben, den ersten Schritt zu wagen, das Tabu zu brechen und sich kompetente Beratung und Hilfe zu holen, um zu einem glücklichen und erfüllten Leben zu finden.