Feng Shui - die Harmonie von Gebäude und Landschaft

Autorin: Claudia Kruppa, Institut für integrales Feng Shui, Erding

Feng Shui - die Harmonie von Gebäude und Landschaft

In den letzten Jahren hat man immer mehr von Feng Shui gehört. Was für die einen noch immer eine asiatische Kampfsportart ist oder eine neue Gemüsesorte aus Japan, ist für Insider bereits unverzichtbares Lebensgefühl im Wohn- und Arbeitsbereich.

Doch was ist es eigentlich, dieses Feng Shui, was kann man wirklich damit erreichen?

Zuerst einmal sollten wir wissen, dass in allen alten Kulturen ein Wissen um die lebendigen Energien der Erde besteht bzw. bestanden hat. Bei den wenigen noch traditionell lebenden Naturvölkern können wir das Geheimnis wieder entdecken. Nur steht es dort in einem Kontext der Jagd, dem Finden von guten Orten für Rituale und Feste und dem Überleben in der Wildnis. Diese Fertigkeiten sind in unserer sich weit von der Natur wegbewegenden Kultur nicht mehr im Mittelpunkt des Interesses. Aus diesem Grund ist es nicht einfach, die Kenntnisse der Naturvölker auf uns zu übertragen. Doch auch der moderne Mensch kann sich nicht beliebig von der Natur abkoppeln. Technik und rationales Denken genügen nicht für ein Leben in Harmonie.

Auch in Europa gibt es viele Zeugnisse von Energieorten alter Kulturen. Stonehenge, Hünengräber, Menhire und andere Kraftorte sind sprechende Beispiele. Dieses Wissen ging im Mittelalter an die Kirchen über. Diese hatten jedoch keine Interesse, das Wissen zu teilen, denn sie nutzten es zumeist für Machtzwecke. Mit der Aufklärung und später der Industrialisierung ging ein großer Teil der europäischen Bautraditionen unter. Nach einer Zeit der Bautätigkeit, die nach Funktionalität und kühler -stetik strebte, besinnen sich die Menschen wieder auf die Energien der Natur. Wohnqualität und Wohlgefühl werden ihnen immer wichtiger.

Im Gegensatz zum ursprünglichen Wissen stellt Feng Shui ein Lehrgebäude zur Verfügung, das in einer Stadtkultur praktiziert wurde und somit leicht auf unsere Verhältnisse übertragbar ist. Dazu kommt, dass sich Feng Shui gezielt um Wohn- und Geschäftsgebäude kümmert, während in den alten westlichen Bautraditionen vor allem Kirchen und Paläste im Vordergrund standen. So haben wir ein Jahrtausende altes System zur Verfügung, das in Asien zunächst von den Herrschern,später dann auch von einer großen Bevölkerung aus allen Schichten angewandt wurde.

Feng Shui ist die Kunst und Wissenschaft, in Harmonie mit seiner Umgebung ein glückliches, gesundes und erfolgreiches Leben zu führen, indem es dazu beiträgt, Probleme im Privat- und Geschäftsbereich des Menschen auf der physischen und energetischen Ebene zu lösen.

Kann nun eine Energielehre aus Asien 1:1 in den Westen übertragen werden? Die Erfahrung zeigt: Solange die Lehren des Feng Shui auf Energien beruhen, sind sie ohne Einschränkung auch im Westen verwendbar. Sobald aber asiatische Glaubensvorstellungen einfließen, gelingt die Übertragung nicht. Es geht also darum, die Hintergründe von chinesischen Feng-Shui- Maßnahmen zu untersuchen und diese dann in einen westlich geprägten Kontext zu stellen. Dann sind diese Maßnahmen auch bei uns wirksam.

Was kann man mit Feng Shui erreichen?

Feng Shui kann in einer verblüffend wirksamen Weise unser Leben verändern, indem es harmonische und zuträgliche Energien im Haus und in der Landschaft aufzeigt oder erzeugt. Sobald der Mensch mit diesen günstigen Einflüssen in Kontakt kommt, kann er sein volles Potential leben, was aber nicht heißt, dass aus einem durchschnittlich begabten Menschen ein Albert Einstein wird. Jeder Mensch hat sein ihm eigenes Potenial. Durch hemmende Energien kann dieses Potential häufig nicht voll genutzt werden. Feng Shui sorgt nun dafür, dass die Umgebung optimal auf den Menschen abgestimmt wird. So kann sich das Leben voll entfalten.

Feng Shui geht von einer Dreiteilung des Universums aus: Es gibt die himmlischen Kräfte, die unsere angeborenen Fähigkeiten bedeuten. Diese sind nicht zu verändern. Wir können sie aber durch die Feng-Shui-Astrologie erkennen und so unsere Stärken entwickeln. Dann gibt es die irdischen Kräfte, die Energien der Erde. Diese sind einer Veränderung und Optimierung durch Feng Shui voll zugänglich. Das ist die Hauptebene der Arbeit während einer Feng-Shui-Beratung. Als drittes gibt es den freien Willen des Menschen. Die durch Feng Shui erkannten oder erzeugten förderlichen Energien sollten auch genutzt werden. Dies setzt die aktive und selbstverantwortliche Mitarbeit des Menschen voraus. Dann sind die Tore zu einem freien, erfolgreichen und zufriedenen Leben weit geöffnet.

Welche Techniken beinhaltet Feng Shui?

Das klassische chinesische Feng Shui beinhaltet das Wissen um

  • die Formschule
  • die Kompassschule (Bagua und Fliegende Sterne)
  • die Chinesische Astrologie
  • das Yi Jing (I Ging)
  • das Wasser-Feng Shui

Die Formschule entwickelte sich in den bergigen Regionen Chinas. Dort wurde ein Ort nach der Beschaffenheit und Ausrichtung der umliegenden Felsformationen beurteilt. Konnten die Menschen aus den umliegenden Hügeln und Bergen ein glücksverheißendes Symbol interpretieren, war dies bereits eine gute Voraussetzung, an diesem Ort zu bauen. Eine weitere Voraussetzung war das Vorhandensein der vier Symboltiere in der Landschaft. Der Drache sollte auf der linken Seite des Hauses liegen, der Tiger auf der rechten Seite, die Schildkröte sollte sich hinten befinden, der Phoenix an der Vorderseite. Man darf sich dabei einen Lehnstuhl vorstellen. Die Person, die darauf sitzt, entspricht im übertragenen Sinn dem Haus, die Rückenlehne der Schildkröte, die beiden Armlehnen dem Drachen und Tiger, der Fußschemel dem Phoenix. So gestützt und geschützt wie diese Person im Lehnstuhl, sollte auch das Gebäude sein, um den darin lebenden Menschen möglichst viel gute Energie aus der Landschaft zuführen zu können.

Im Inneren des Hauses findet die Formschule ebenfalls Anwendung, z.B. bei Tür-Fensterlinien, Dachschrägen, Balken, scharfen Kanten und vielem mehr. Die Formschule gibt klare Hinweise, wie die daraus entstehenden Blockaden und Stagnationen wieder in Fluss gebracht werden können, damit dem Bewohner möglichst viel gute Kraft zufließen kann.

Im Gegensatz zur Formschule geht es bei der Kompassschule um unsichtbare Strukturen, die wir mit Hilfe von Berechnungen erfassen können. Die Instrumente hierfür sind das Bagua und das magische Lo-Shu-Quadrat. Mit deren Hilfe ist es möglich, die Qualität der verschiedenen Hausbereiche festzustellen.

Die Bagua-Technik ermöglicht es, jeden Hausbereich auf den vier Ebenen "Lebensbereich, Familienmitglied, Gesundheit und Psychologie" zu untersuchen. So kann man bereits schon durch die Betrachtung des berechneten Grundrisses erste Vermutungen darüber anstellen, ob auf der Ebene "Lebensbereich" die Bewohner möglicherweise Probleme in der Partnerschaft haben, auf der Ebene "Familienmitglied" jemand besonders betroffen ist, auf der Ebene "Gesundheit" über Beschwerden geklagt wird oder ob auf der Ebene "Psychologie" Depression eine Thematik darstellt.

Die Berechnung der Fliegenden Sterne zeigen das kosmische Energiemuster des Hauses auf, man könnte fast sagen, sie bilden das Horoskop des Hauses. Denn zu ihrer Berechnung braucht man u.a. das Jahr der Fertigstellung des Hauses. Hier wird ersichtlich, wo im Haus fördernde bzw. hemmende Energiequalitäten vorhanden sind.

Ziel ist auch hier, für den Bewohner die bestmöglichen Energien bereitzustellen, indem die hemmenden Energien geschwächt und die fördernden gestärkt werden. Die Kompassschule hält dafür zahlreiche Regeln zur Lösung bereit.

Die Erkenntnisse, die aus der Erstellung und Auswertung des Chinesischen Horoskopes gewonnen werden, erlauben es, individuelle Lösungsansätze für jeden einzelnen Hausbewohner zu finden und jede Person in ihrer Kraft gezielt zu stärken. Die Chinesische Astrologie gibt u.a. einen tiefen Einblick in vergangene, aktuelle und zukünftige Zeitqualitäten und ermöglicht dadurch, angemessen zu reagieren und mit dem Fluss des Lebens zu gehen.

Das Yi Jing wird als ältestes Orakel der Welt betrachtet. Mit seiner Hilfe erhält der Fragende tiefe Einsichten in Problemstellungen sowie Lösungsansätze, die eine dauerhafte Abhilfe schaffen können. Eine wunderbare Hilfestellung bietet dabei das Buch der Wandlungen, das I Ging, das von chinesischen Gelehrten vor Tausenden von Jahren vollendet worden ist und die zahllosen Muster der Existenz in sich vereint.

Das Wasser-Feng Shui gibt Aufschluss über die Energiequalität einer am Gebäude vorbeiführenden Straße oder eines Flusses. Im Gegensatz zur Formschule handelt es sich um unsichtbare Energiestrukturen, die durch Berechnung ermittelt werden. So kommt Wasser-Feng Shui zum Einsatz, um beispielsweise den bestmöglichen Zufahrtsweg auf das Grundstück zu berechnen oder bei der Gartengestaltung.

Jede Technik für sich gesehen, kann bereits gute Unterstützung gewähren. Doch im Sinne der Ganzheitlichkeit kann die Anwendung aller Techniken des klassischen chinesischen Feng Shui noch einmal mehr zu einem gesunden erfolgreichen und glücklichen Leben beitragen.