Chanten - die heilende Kraft der eigenen Stimme

Autorin: Lisa Böhm

Chanten - die heilende Kraft der eigenen Stimme

Es ist nun schon eine Weile her, dass ich einen "Chant-Workshop" besucht habe - die Kraft der dort gesungenen Lieder wirkt noch und klingt auf angenehme Weise nach. Immer wieder summt es in mir Melodien, Silben, Wörter in Sprachen, die ich ansonsten gar nicht kenne (aramäisch, hebräisch, arabisch, indisch...).

Chanten ist mehr als nur Singen. Die Lieder aus den verschiedenen Kulturkreisen sind Jahrtausende alt, haben einen spirituellen Hintergrund und eine zum Teil uralte Tradition. Sie haben schon immer Menschen zur Gemeinsamkeit verholfen und wurden als Heilgesänge eingesetzt. Das ist sehr bald zu spüren. Der Kopf wird frei, der Verstand kommt zur Ruhe, der Atemraum vergrößert sich und der Körper durchblutet mehr.

Über unsere Stimmen wird eine Schwingungsebene erreicht, die direkt in die Mitte führt zum Herzen und die die Seele weit, warm und ruhig macht. Die Songtexte verbinden uns mit anderen Menschen, Kulturen und Religionen. In jedes neue Lied können wir uns sehr schnell einstimmen und mitsingen. Das mitreißende Gitarrenspiel unseres Seminarleiters und seine motivierende Art führen uns in höchste Höhen und tiefste Bässe. Und das obwohl sich hier Menschen versammelt haben, von denen einige sogar behaupten, sie könnten gar nicht singen.

Innerhalb kurzer Zeit wächst unsere Gruppe zusammen und wir spüren eine Verbundenheit, als sei es schon immer so gewesen. Wir singen mehrstimmig, im Chor, manchmal spielt eine/r Gitarre, Monochord oder schlägt die Trommel. Es ist selbstverständlich, ohne Hemmung können wir es einfach tun. Irgendwann entsteht der Gedanke, was wohl noch alles in mir steckt, ohne dass ich es bisher erkannt habe? Und immer wieder habe ich das Gefühl, es singt uns, es spielt uns, es tanzt uns. Kleine Choreographien unterstützen und begleiten unseren Gesang - oder umgekehrt? Die Wiederholung der Rhythmen und Gesänge bringt uns in Bewegung und schafft Vertrauen, Geborgenheit, Aufgehobensein in etwas Größerem. Es ist gut, wenn der Verstand immer mehr abschaltet, um so mehr können sich die anderen Dimensionen öffnen. Die Pausen und das Innehalten lassen mich spüren, wie tief das Ganze geht. Über meine eigene Stimme bin ich mit den anderen angeschlossen an eine Kraft, die über viele Jahre gewachsen ist und einfach gut tut. Je länger wir zusammen sind, desto mehr habe ich das Gefühl, dieses Schwingungsfeld breitet sich über die Grenzen unseres Raum hinaus aus. Wie weit wohl? Übrigens - was auf der irdischen Ebene dabei herauskommt, klingt durchaus professionell. Die mitgeschnittene Aufnahme gibt es wieder.

Wie auch immer das Chanten aufgenommen wird, als Zusammensein mit lieben Menschen, als Möglichkeit seine Stimme zu erheben, zu erfahren, dass man singen kann, zu erleben, dass die eigene Stimme Heilkraft für sich selbst und andere besitzt - es ist etwas Wunderbares. Ich werde jedenfalls noch oft dabei sein.