Schamanische Reisen zu Kraft und Heilung

Autorin: Vera Griebert-Schröder ist Heilpraktikerin, Psychotherapeutin in eigener Praxis in München. Sie lernte Schamanismus unter anderem bei Paul Uccusic, Carol Proudfoot-Edgar, Sandra Ingerman und Daan van Kampenhout.


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Schamanische Reisen zu Kraft und Heilung

"...und am Ende des Tunnels wurde es auf einmal unheimlich hell, leuchtend, strahlend. Unmittelbar vor mir saß auf einer blumigen Alpenwiese eine uralte Indianerin. Ihr runzliges Gesicht lachte, und mit einer Handbewegung lud sie mich ein, ihr gegenüber Platz zu nehmen. Sie schüttete Wasser von einer kleinen Schale in eine andere, hin und her. Dann lachte sie laut und schallend, verschüttete mehr oder weniger absichtlich das Wasser."

So der Bericht meiner Klientin, die in die "nichtalltägliche" Wirklichkeit reiste. Ich begleitete sie auf eine schamanische Reise, in der sie für sich Heilung suchte. Sie litt seit längerem an wiederkehrenden Depressionen. Die Antwort ihrer Lehrerin, der alten Indianerin in der "nichtalltäglichen Wirklichkeit", zeigte ihr, was sie verändern kann. Da sie sich intensiv mit sich und ihrem Krankheitszustand beschäftigte, las sie viel und eignete sich dabei Wissen an. Das Verschütten des Wassers wies sie darauf hin, alles Erlernte weiter zu geben, auchwenn es so aussah, als mache es keinen Sinn. In weiteren Reisen zu ihrer Lehrerin konnte sie dann lernen, dies in die Tat umzusetzen - langsam, ihrem eigenen Lebensrhythmus entsprechend, um so vom "Nicht-Sinnvollen" zum aktiven Leben zu kommen.

Diese schamanische Lehrerin entspricht in unserer Kultur dem Archetyp der Weisen. Mit "nichtalltäglicher Wirklichkeit" ist im schamanischen Sinne die Anderswelt gemeint - eine Welt, die wir vielleicht schon aus Träumen oder Phantasiereisen kennen. Die ÈReiseÇ dorthin von einem monotonen Trommelrhythmus begleitet - ein Trommelschlag, der unsere Gehirnwellen in den Alphazustand versetzt und die rechte und linke Gehirnhälfte angleichen läßt. So können Bilder entstehen, die dann unser Unbewusstes aus Bereichen herbeiholen kann, die uns im bewegten Alltag nicht zugänglich sind.

Schamanen haben immer verschiedene Helfer, Spirits oder Schutzgeister, die ihnen unterstützend zur Seite stehen. Der wichtigste Helfer ist dabei das Krafttier. Ich habe sehr viele Menschen bei der Suche nach ihrem Krafttier begleitet. Die Arbeit beginnt damit, die schamanische "untere Welt" kennenzulernen, dort wo wir unsere Wurzeln haben und unsere Lebenskraft wohnt. Oft begegnen wir einem Tier, das wir schon seit unserer Kindheit kennen. So stellte zum Beispiel eine Frau überrascht fest, dass während ihrer Reise in die untere Welt ein Wolf nicht mehr von ihrer Seite wich. Seit längerem schon hatte sie sich besonders für Wölfe interessiert.

Das Krafttier steht für unsere Lebenskraft, eine Helferenergie, die wir personifiziert ansprechen können, die uns hilft, ganzheitlich, gesund und in Balance zu sein.

".....mit meinem Adler flog ich über Felder und konnte ein unendliches Gefühl der Freiheit wahrnehmen. Als wir beide plötzlich nach unten schossen, um eine Maus zu fangen, merkte ich, wie mir im Beruf meine natürlichen Fähigkeiten offen und aktiv zu agieren, verloren gegangen waren. Diese ursprünglichen Wahrnehmungen von Freiheit, Leichtigkeit und gleichzeitiger Dynamik konnte ich von der unteren Welt mitbringen..."

Wir bringen nicht nur Wissen und Antworten aus der "nichtalltäglichen Wirklichkeit" mit, sondern auch ein tiefes, nachfühlbares Verständnis für unser eigenes Potenzial: körperlich, geistig und emotional. Bevor ich mit meinen Klienten eine schamanische Reise unternehme, wende ich mich an die vier Himmelsrichtungen, nach oben zu Großvater Himmel und nach unten zu Mutter Erde. Sie alle lade ich ein, mich in meiner Arbeit mit einem Klienten oder einer Gruppe zu unterstützen. Im Kontakt mit der geistigen Welt bedarf es einer tiefen Achtung und Aufmerksamkeit, die wir in unserer Kultur auch "beten" nennen.

Die Methode ist einfach und für jeden erlernbar: Der Trommelschlag begleitet uns. Der Reisende soll sich über eine Absicht, die er in der "nichtalltäglichen Wirklichkeit" verfolgt, im Klaren sein. Eine genau formulierte Frage hilft die Antwort zu finden. Die "Spirits" begegnen uns, geben uns Zeichen, sprechen mit uns oder eröffnen über Symbole neue Betrachtungsmöglichkeiten hinsichtlich unserer Fragestellung. Manchmal antworten sie uns auch sehr abstrakt. Durch weitere Reisen erfahren wir dann mehr oder lernen die Frage anders zu stellen, treten ihnen mit einer neuen Aufmerksamkeit entgegen.

Es ist für mich - nach vielen Jahren des schamanischen Reisens - immer wieder erstaunlich, welch unglaubliche, ja außergewöhnliche Erklärungen ich dabei bekomme. Wichtige, hilfreiche Antworten, auf die ich allein mit meinem Verstand nie kommen würde. Die Voraussetzung dazu ist ein tiefes Vertrauen in diese Welt und das Bewusstsein, dass alles, was ist, lebendig ist. Mit etwas Übung kommen wir so zurück zu den einzigartigen Methoden des Austausches mit der Kraft, unseren Wurzeln und somit zu Heilung.

Die schamanische Arbeit ist an drei wesentlichen Punkten zu erkennen:

  • Der Kontakt mit den "Spirits" ist immer ein Austausch.
  • Die Erinnerung an eine Reise ist dabei immer sehr klar.
  • Nur der Reisende selbst kann den Inhalt der Reise für sich interpretieren und sie in seine alltägliche Wirklichkeit umsetzen.

Schamanen sind Mittler zwischen den Welten, sie sind Priester, Heiler, Seher und Krieger - Menschen, die ihren Platz im Leben gefunden haben. So können auch wir uns ihrem Weg nähern und bewusst innere und äußere Kräfte nutzen.